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Wetenborn    (GK 3552804 5703560)
 - Ein Überblick unter Verwendung der Arbeiten von Prof. Dr. Arnold Beuermann  -

 

Wenn man die "alte Jühnder Straße" (von Scheden kommend) unterhalb des Waldes nach links in Richtung zu den Abhängen des Hohen Hagen verlässt, erblickt man eine weite Talmulde, eingebettet in der Schichtstufenlandschaft der hier wechselnden Muschelkalkschichten, die den Namen Wetenborn trägt.

Zwar ist der Name Wetenborn (Wittenborn) an ein Waldstück gebunden, aber im Volksmunde bezeichnet er eine Kirchenruine mit angrenzender Wiese, die alte Bauern als "Zupperndentenweische" (Superintendentenwiese) ansprechen. Besitzrechtlich liegt sie inmitten der Gemarkung Scheden, gehört aber seit damaliger Zeit bis heute der Kirchengemeinde St. Martini zu Dransfeld.

Dort - in Wetenborn - hat noch im Jahre 1397 dörfliches Leben existiert, "denn in den hiesigen Hofhaltungs-Registern werden noch Einnahmen und Personen aus diesem Orte aufgeführt." (Wilh. Lotze, "Geschichte der Stadt Münden nebst Umgebung",
1. Auflage 1909, S. 278). Die Schedener Schulchronik (H. Brügemann) berichtet, dass 1398 der Pfarrer der Kirche von Wetenborn nach Dransfeld flüchtete, ein Teil der Bewohner ihm gefolgt, die anderen nach Oberscheden unterhalb der Fortmühle angesiedelt worden seien. Über die Gründe des Fortganges kann man nur spekulieren, da eine Vielzahl von Faktoren in Betracht kommen könnte (Bevölkerungsverluste durch Kriege, Seuchen, natürlich bedingt oder auch rein wirtschaftliche Gründe) - allerdings alle ungesichert.

In der Landschaft erinnerte fast 600 Jahre lang so gut wie nichts daran, dass hier eine Siedlung mit dem Namen Wetenborn gelegen hat. Lediglich einzelne auftretende Schutthügel, die meist von Buschwerk und Haselholz überwuchert waren, verwiesen darauf. In einem dieser Schutthügel, an einer wurzelfreien Stelle des Bodens,
fand man zahlreiche Bruchstücke alter, handgeformter Dachziegel (Mönch und Nonne), sowie eine kleine Reihe nebeneinander in exakter Westost-Richtung vermörtelter Muschelkalkbruchsteine,
wie sich später herausstellte, die mit 1.52 m am höchsten erhaltene Mauerstelle

In den Jahren 1975 und 1977 wurde an dieser Stelle von Studenten des Geographischen Instituts der Technischen Universität Braunschweig unter der Leitung von Prof. Dr. Arnold Beuermann und Mitwirkung des damaligen Kreisbodendenkmalpflegers, Fritz Bertram Jünemann, das Restmauerwerk einer alten, kleinen Kirche freigelegt.

 

 

In der Aufsicht erkennt man zwei aneinander grenzende quadratische Räume, deren östlicher (Chor) knapp 3 x 3 Meter, der größere (Kirchenschiff) etwa 5 x 5 Meter aufweist. Der Chor ist nicht in voller Breite zum Kirchenschiff hin geöffnet, sondern nur durch eine 65 cm schmale Öffnung in der Zwischenwand zu betreten. Der Altar steht als Blockaltar nicht in der Symmetrie der östlichen Wand des Chores. Er ist zwar unmittelbar an die Ostmauer angebaut, jedoch etwa 25 cm aus der Mitte nach Norden versetzt. Dies ergibt somit einen Abstand zur rechten Seite (Norden) von 0,95 m und links (Süden) nur 0,70 m.

Das freigelegte Mauerwerk zeigt deutlich die unterschiedlichen Baumaterialien. Der überwiegende Anteil ist das Bruchsteinmaterial des unteren Muschelkalkes, der unmittelbar hier ansteht. Aber auch ortsfremdes Gestein, wie Basaltstückchen des Hohen Hagen, Buntsandstein aus dem Schedetal und Kalktuff aus dem Leinetalbereich wurden hier verwendet.

Die Gesamtlänge des Steingebäudes einschließlich der Mauerstärken beträgt in Ost-West-Richtung 10,80 Meter, davon entfallen 3.80 m auf den Chor und 7 m auf das Kirchenschiff. Chor und Kirchenschiff haben unterschiedliche Mauerstärken, der Chor ca. 80 cm, das Schiff ca. 1,00 m. Viele Mauerteile weisen Einschlüsse von Dachziegelfragmenten auf, was einen nachträglichen Umbau vermuten lässt. Ebenso weisen die beiden großen Kalktuffsteine in der Mauer zwischen Chor und Kirchenschiff auf einen Umbau hin, bei dem an dieser Stelle die ursprüngliche Weite des Durchgangs verengt wurde.
 
Ebenso weisen die beiden großen Kalktuffsteine in der Mauer zwischen Chor und Kirchenschiff auf einen Umbau hin, bei dem an dieser Stelle die ursprüngliche Weite des Durchgangs verengt wurde

Durch Pirkhauerbohrung und gezielte Suchgrabung wurde eine ringsum verlaufende kleine Mauer (im Norden noch nicht nachgewiesen) festgestellt, die Kirche, Friedhof und ein weiteres anschliessendes Buschwerk mit Bruchsteinen (Vermutung: vielleicht eine Art von Pfarrhaus) umschlossen haben könnte. Den Verlauf der Mauerreste kann man an Hand von Luftaufnahmen gut erkennen. (Bild noch in Bearbeitung)

Die bei der Kirchengrabung gemachten Funde waren recht spärlich, was nicht verwundern darf, denn erstens war seinerzeit die Ausstattung einer kleinen Dorfkirche sicherlich recht schlicht gehalten und zweitens wird wohl der Pfarrer die bewegliche Habe pflichtgemäß mit nach Dransfeld genommen haben. Man fand jedoch kleine Keramikscherben in der Versturzmasse beider Innenräume, eine in der Regel blaugraue Ware. Eine exakte Datierung der Erbauungzeit der Wetenborner Kirche konnte nicht vorgenommen werden. Im oder unmittelbar unter dem Fundament evtl. vorhandene Keramik oder noch gut erhaltende Holzreste, die eine dendrochronologische Untersuchung ermöglichen würden, könnten diese Frage beantworten. - Dabei müssten allerdings die inzwischen durch Vermörtelung gegen weiteren Verfall gesicherten Mauerreste weitgehend beschädigt werden.

Löst man sich von der archäologischen Denkweise, ergründen zu wollen, wann genau die Kirche zur Zeit der Christianisierung gebaut, bzw. umgebaut worden ist, so muss man feststellen, dass sie heute dennoch als ein besonderes Kleinod in unserer Landschaft angesehen werden kann.

Für gelegentliche vorbeikommende Wanderer bietet dieses hergerichtete Kulturdenkmal (mit Schutzhütte und Brunnen, die nicht historisch sind) die Möglichkeit zu Rast Ruhe in idyllischer Umgebung, die in den Sommermonaten oft genutzt wird.

 
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(Sphärisches Kugelpanorama 360°x180° vom 17.6.2010 auf Flash-Basis - ca. 2,5 MB)

 

Seit der Neueinweihung der Kirchenruine am 21. Juli 1985 findet dort jeweils am ersten Sonntag nach den Sommerferien ein öffentlicher gemeinsamer Feldgottesdienst der umliegenden Gemeinden statt.

 

 

 

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